Kurz und schmerzvoll, Part II

In der Berufsschule für Erwerbslose (die erste Schule in der ich nicht mehr gemobbt wurde, weil ich inzwischen gelernt hatte meine Grösse sinnvoll einzusetzen) lernte ich auch Lenny kennen. Lenny und seine Freundin Wanja. Lenny war ein wenig wie ich, Gothic, Rollenspieler (allerdings Shadowrun-Spieler während ich ja eher die Fraktion Dungeons and Dragons war). Wir trafen uns häufiger in der Bergstrasse, im „Hinterhof“, der einzigen „Gothic-disco“ in Kiel. Manchmal auch im „Tucholski“ wo es eher etwas rockiger zuging, oder im „Einstein“ zum Billard spielen und Pizza futtern. Es wurde immer viel gesoffen bei unseren Treffen, noch viel mehr trank ich allerdings zu Hause, war schon soweit abgerutscht das ich Spiritus trank, mit Zitronenteegranulat um den Geschmack zu überdecken. Wodka war teuer und nach 2-3 Flaschen am Tag war Spiritus halt ne billigere Lösung. Der Hauptgrund warum ich inzwischen halb blind bin. Jedenfalls verstanden wir uns sehr gut und ich war eigentlich 2-3 mal die Woche in der Bergstrasse, wo ich nach einiger Zeit auch anfing als Türsteher zu jobben. Mit 16, aber ich war ja recht gross mit meinen knapp 1 Meter 90 und stabilen 150 Kilo und wirkte älter.

Eines Nachts war ich eigentlich nur privat da, machte mich um 3 Uhr morgens auf den Heimweg, schon gut zugeschüttet und platzte in eine Schlägerei. Versuchte die beiden Kontrahenten zu trennen und bekam als Dank einen Schlag mit nem Baseballschläger ab und einen leichten Schnitt im Gesicht, zum Glück war der Kerl mit dem Messer auch schon ziemlich dicht und streifte mich nur. Einige Tage später traf ich ihn wieder, da war er mit 2 Kollegen unterwegs in die Bergstrasse und es kam zu einer etwas grösseren Prügelei bei der auch einige Knochen brachen und ich verlor den Job als Türsteher. Danach ging ich auch nur noch sehr selten in die Bergstrasse zum feiern, fuhr häufiger auf den Kiez in Hamburg und jobbte dort in verschiedensten Etablissements, bekam allerdings sehr wenig Bezahlung, teils reichte das Geld grade für die Fahrkarten und Wodka, aber das reichte mir auch völlig. Was sollte man mit 16 auch für Anspürche stellen wenn das ganze in Schwarzarbeit abläuft. Dann bekam ich einen Platz an der Berufsfachschule, Fachrichtung Elektrotechnik das wäre der Moment gewesen an dem ich wiederum hätte „vernünftig“ werden können, aber es war bereits zu spät. Der Alkohol zeigte Wirkung und die durchmachten Nächte, ob nun durchzecht oder durchgearbeitet, sorgten dafür, dass ich kaum morgens pünktlich da war.

Ich fing langsam an vom Alkohol aufs Kiffen umzusteigen, experimentierte auch immer mehr mit den etwas härteren Drogen, wurde aber ruhiger und gefasster, fand einige Freunde in der Schule, gerade auch weil einige Kiffer dabei waren und wir verbrachten viel Zeit damit rumzuhängen, DnD zu zocken und Star Wars Monopoly, (ja ernsthaft wir spielten auch Brettspiele),  Sega Master System II, solche lustigen Dinge wie R-Type und Olympiade und sowas, schauten Filme und hatten eigentlich eine sehr nette Zeit miteinander. Allerdings kam ich am Ende des ersten Jahres auf der Schule auf 75% Fehlzeit, was mich natürlich den Platz kostetete.

Nun ja, soviel erstmal zur „guten“ Zeit. Kurz darauf wurd das mit den harten Drogen ernsthafter ich verlor immer mehr den Kontakt zu den Leuten und kurze Zeit drauf schmiss meine Mutter mich auch raus, als ich anfing meine wenigen Habseligkeiten für Drogen zu verkaufen, vor allem tolle Lautsprecher die ich grade erst zu meinem 18. Geburtstag bekam, das brachte das Fass dann zum überlaufen.

Uff mein 18ter Geburtstag … das war eine Feier …. aber dazu ein ander Mal.

 

„Um in den Dingen des Menschenherzens durch und durch bewandert zu sein, müssen wir auch noch in dem mit eisernen Schließen verschlossenen Buch der Verzweiflung nachschlagen.“

Edgar Allan Poe

Kurz und Schmerzvoll

Eine meiner grössten Ängste, eine die mein früheres Leben sehr stark geprägt hatte, war es allein zu sein. Bis 13 rum verbrachte ich die meiste Zeit bei meiner Oma, ich konnte einfach nicht gehen und blieb dann immer mal einige Wochen. Fast genau so lange blieb ich bei meinem einen Onkel, dem Bruder meiner Mutter und seiner Frau. Die hatten Spielkonsolen und wir haben unglaublich viel fern gesehen. Mein Onkel war auch unglaublich jähzornig, ein Charakterzug den ich mir leider auch sehr stark angewöhnt hatte. Besonders extrem war es beim gemeinsamen Spielen, da flogen häufiger mal die Joy-Pads durch die Gegend. Es wurde extrem viel gestritten und ich durfte nie zeigen wie gut ich eigentlich spielen kann, vor allem bei Mario-Kart auf dem N64 .. es gab immer Streit und Schreierei. Ab vierzehn rum schlug ich dann einen anderen Lebensweg ein.

Ich fing an die Schule zu schwänzen so viel es nur ging. War ich doch das Mobbingopfer Nr 1 in der Schule. Das war auch der Beginn meines Niedergangs. Ich fing an zu trinken und mich zu ritzen. Wechselte sehr plötzlich von Charts-Musik auf den ganz harten Stoff, Wumpscut, Eisregen, das ganze dunkle Zeug, ich mutierte zum Goth. Versuchte das eine oder andere Mal erfolglos mich umzubringen. Verbrachte viele Nächte allein am Strand, mit Rasierklingen und Wodka. Ich konnte nicht einmal die Flaschen wegwerfen und sammelte sie. Es wurden schnell immer mehr, bis 16 rum hatte ich schon meine komplette Regalwand vollgestellt. Mit 15 fing ich ja auch schon an zu kiffen, experimentierte auch so langsam mit den härteren Drogen aber war bisher noch nicht „süchtig“. Mit 16 zog ich dann erstmals zu Hause aus, nach Frankfurt am Main zu einer Bekannten die ich übers Internet kennen gelernt hatte. Bekam meinen Alkoholismus kurzzeitig auch in den Griff, trank nur noch 2-3 Bier am Tag. Das Ritzen allerdings wurde immer schllimmer. Und nachdem ich nach knapp 2 Monaten noch keine weiterführende Schule fand die mich aufgenommen hätte, ich dann noch ein schlechtes Gewissen bekam wegen dem Ritzen, ich fing an mich wirklich zu schämen, bekam ich es einfach nicht in den Griff. Ich wollte so nicht weiter machen und zog wieder bei Muttern ein. War es doch die einfachste Lösung.

Ging dann einmal wöchentlich in eine Berufsschulklasse für Erwerbslose. meistens volltrunken und high …

Mehr geht erstmal nicht, ich werd in nächster Zeit mal versuchen häufiger zu schreiben, dafür aber kürzere Posts. Es ist wirklich schwer darüber nachzudenken. Zum einen war das halt die Zeit in welcher ich mein Gehirn am stärksten malträtiert habe mit dem Alkohol und zum anderen weil meine Medikamente inzwischen so gut wirken das ich einfach nicht mehr weiss wie ich gefühlt hab, ja fast schon nichtmehr weiss was Gefühle überhaupt sind. Ich sitze hier in meiner Blase, abgeschirmt. So funktioniert mein Gehirn einfach nicht. Die Wut und die Ängste sind grösstenteils einfach abgeschaltet. Darum werden die Erinnerungen einfach nicht mehr getriggert. Was ja natürlich auch der Sinn der Medikamente ist. Die Traumata und die immer wieder auftauchenden Erinnerungsfetzen die so schmerzen unter Kontrolle zu halten.

Endlich aus der Vergangenheit rauszukommen.

 

„Von einem gewissen Punkt an gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen.“

Franz Kafka

Die bunten Pillen in der Früh runden die Nacht ab.

Eine hiervon, eine davon, dann noch die Vitamine und die kleine halbe fürn Blutdruck / fürs Herz. Noch ein kurzes Aufbäumen der Aktivität bevor sie mich in den Schlaf geleiten. Mit Hörbuch latürnich, hör grad wieder Rumo vertont von Dirk Bach, grossartig, da freut man sich auf die Schlafenszeit.

Na jedenfalls hab ich die Nacht durchgezockt, „wurd halt etwas später“. Einen netten Raidabend gehabt, haben zwar nichts geschafft aber lustig wars trotzdem mit den netten Leutchen. Danach wollt ich dann doch nochmal ein wenig Zeit investieren und daraus wurd dann doch wieder die ganze Nacht, So ausser der Reihe mal wieder ein wenig ranklotzen, hab mich die letzten Wochen ja doch etwas zurück gehalten. Musste leider einen Job in der Gildenleitung dankend ablehnen. Fühl mich natürlich durchaus geehrt und tut mir auch leid das ganze abzulehnen, ist ja doch eine Form der Anerkennung, aber … Verantwortung … kann ich zur Zeit einfach nicht so übernehmen. Sehr schade.

Ich mache gerne alles mit, helf wo ich kann, zieh mein Ding durch und liefer nen ganz guten Job ab im Raid und ausserhalb, aber halt nur noch soviel ich wirklich auch Lust hab und Nerven erübrigen kann. Ja, die letzten Wochen doch etwas weniger, der Stress mit der Wohnung in Kiel, das Theater die Wohnung hier zu entschlacken (wieder ne Ecke geschafft … ich kann die Füsse unterm Tisch ausstrecken ohne auf irgend nen Kram zu treten. Schon schön..) usw.

Aber gut, war jedenfalls auch mal nett son bischen weniger zu zocken, tut auch gut. Läuft ja ansonsten, muss nicht mehr so viel Zeit investieren, für die nächsten 1-2 Monate reichts auch auf Sparflamme.

Jedenfalls, gerne alles was geht. Aber richtig Verantwortung, Ansprechpartner und sowas … leider nein.

Ansonsten … tjoa, nichts grossartig neues. Geld wird diesen Monat böse knapp. Letzten Monat geschafft noch ein paar Kröten über zu behalten. Aber diesen Monat wirds eng, sind ja noch n paar Wochen.

Diät geht so. Vorräte mal wieder aufgefüllt, wird schon irgendwie.

Schlaf die meiste Zeit ganz gut. Keine all zu schlechten Träume in letzter Zeit. Vermutlich weil der grosse Stress jetzt erstmal gegessen ist. Alles bischen entspannter. Und normal auch regelmässig, Von Abends bis Vormittags durchschlafen. Klappt ganz gut, letzte Nacht war wieder ne Ausnahme, geht auch mal. Darf nur nicht wieder einreissen.

Auch wenn zocken des nachts eigentlich mehr Spass macht. Man muss sich nicht mit vielen Leuten um die Ressourcen prügeln.

Aber wie auch immer. Hund gehts soweit auch gut. Kann inzwischen sogar wieder problemlos Kauknochen futtern ohne zu kotzen. Nur nicht zu oft. Ab und zu merkt man halt doch ein wenig das Alter, die jüngste ist sie ja nun nicht mehr mit ihren … öh .. 12? 13?… na sowas halt. Ab und zu mag sie wirklich ganz kurze Runden, geht ein bischen langsamer. Aber stehen beim Fressen geht super, aufs Bett hüpfen kann sie auch immer noch sehr grazil. Beste Vorraussetzungen momentan.

Tja nun, also … Morgentabletten sind drin, jetzt gehts in die Heia.

Nachti Nachti Schachti.

 

„Die hohe Konzentration an lautlos in die Welt strömender Geschichte kann überwältigend wirken. Zeit ist eine Droge: Zu viel davon bringt einen um.“

Terry Pratchett